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Inszenierte Schönheit: Selbstbewusst medial vermittelten Schönheitsbildern begegnen können


Die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper nimmt insbesondere bei Mädchen kontinuierlich ab. Während 2006 noch 66% der Mädchen mit ihrem Aussehen zufrieden waren, so sank dieser Wert im Jahr 2006 auf 56% und schließlich auf 52% heutzutage (Dr. Sommer Studie 2016). Mädchen kontrollieren regelmäßig ihr Gewicht, fast die Hälfte der Mädchen hat mit 17 Jahren bereits eine Diät gemacht. Viele Jungen und Mädchen geben an, aufgrund ihres Gewichts gemobbt worden zu sein. Die meisten sehen einen Zusammenhang zwischen Dünnsein und Beliebtheit. Der Umgang mit medial vermittelten Schönheitsbildern ist daher ein wichtiges Thema für die Medienbildung. Bilder in sozialen Netzwerken wie Instagram, Snapchat oder Facebook bieten den Jugendlichen Identifikationsfolien, die ihr eigenes Körperbild negativ beeinflussen können. Die im Netz präsentierten Fotos und Videos – insbesondere die Bilder der Stars und Sternchen – zeichnen sich häufig durch digitale Selbstoptimierung und ein hohes Maß an Inszeniertheit aus. Mit Hilfe digitaler Bildbearbeitung wird der aufgenommene Körper „verschönert“ und damit ein bestimmtes Ideal definiert, das Körperbild und die Selbstwahrnehmung der Jugendlichen prägen kann. Medial produzierte, unrealistische Schönheitsideale können zu Frustration und Selbstabwertung führen. Die hier versammelten Unterrichtsvorschläge möchten die Schülerinnen und Schülern zu einer Auseinandersetzung über medial vermittelte Schönheitsideale anregen und die Machart der digital optimierten Darstellungen beleuchten. Sie sensibilisieren die Jugendlichen dafür, wie mit Fotografien in sozialen Netzwerken Schönheit inszeniert wird und geben ihnen zugleich Impulse für einen selbstbewussten Umgang mit medial vermittelten Schönheitsbildern.

Unterrichtsvorschläge

1.) Fake Beauties – Medial inszenierte Schönheitsbilder (45 Min.)

Zunächst werden die Schülerinnen und Schüler gefragt, ob sie wissen, was Fake Beauties sind. Als Fake Beauties werden menschliche Darstellungen in Fotografien bezeichnet, die nachträglich mit einem Bildbearbeitungsprogramm wie Photoshop bearbeitet – „optimiert“ oder „verschönert“ – wurden. Auf diese Weise kann der Kenntnisstand der Klasse zu dieser Form medial inszenierter Schönheit abgefragt und in das Thema eingestiegen werden. Anschließend wird im Plenum gemeinsam der Film „Body Evolution – Model Before and After Photoshop“ geschaut. Der Film zeigt auf sehr eindrückliche Weise, wie massiv die Darstellung eines Models mit Photoshop verändert werden kann.

Nach dem Film kann in der Klasse ein Gespräch über künstliche Schönheit in medialen Inszenierungen geführt werden. Hierbei geht es um eine Bewertung der gezeigten Photoshop-Effekte durch die Schülerinnen und Schüler.

Folgende Fragen können ihnen dazu gestellt werden:

  • Könnte man am finalen Bild die vorgenommenen Änderungen erkennen? Woran?
  • Wie findet ihr die vorgenommen Änderungen? Ist das Model dadurch schöner geworden?
  • Was empfindet ihr als schön und was nicht?
  • Wie oft begegnet ihr selbst, manipulierten Köperdarstellungen in den sozialen Medien?
  • Welche Mittel benutzt ihr selbst, um eure Selbstdarstellungen zu manipulieren?
  • Findet ihr es richtig, dass Körperdarstellungen künstlich „verschönert“ werden? Warum? Warum nicht?
  • Welchen Einfluss haben Bilder wie diese auf eure Vorstellung darüber, was ein schöner Körper ist und was nicht?

Eine Auseinandersetzung mit diesen Fragen kann das Problembewusstsein der Schülerinnen und Schüler dafür schärfen, welchen Einfluss unrealistische Schönheitsideale auf die eigenen Maßstäbe von Schönheit haben können.

 

Material:


Film: „Body Evolution – Model Before and After Photoshop“ (00:59)

2.) Hashtags und „Schönheit“ in sozialen Medien (90 Min.)

Hashtags haben in sozialen Netzwerken wie Instagram eine wichtige Bedeutung. Mit ihnen können die Beiträge der Nutzer verschlagwortet und für die Stichwortsuche verfügbar gemacht werden. Es lassen sich gemeinsame Themen und Interessen mit anderen entdecken, die Anknüpfungspunkte für neue Unterhaltungen bieten. Hashtags können Trends initiieren und junge Menschen anspornen, sich mit anderen zu vergleichen. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die Stars und Sternchen der sozialen Netzwerke, die mit ihren perfekt inszenierten Körperbildern viele Nachahmer finden.

Hierbei kommen auch bedenkliche Hashtags zum Einsatz, die ungesunde Körperbilder zum Gegenstand haben. So eifern besonders junge Mädchen immer neuen Trends zum Abnehmen nach und posten entsprechende Bilder von sich. Extreme Beispiele hierfür sind Hashtags wie die „Bikini Bridge“, bei der zwischen Bikinihöschen und Bauch im Liegen eine Lücke bleiben soll, oder dem „Thigh Gap“, bei dem zwischen den Oberschenkeln eine möglichst große Lücke bleiben soll. Bei Jungs oder jungen Männern stehen oft der Sixpack und ein muskulöser Körper im Vordergrund. Die Beispiele stellen zwar extreme Auswüchse dar, machen aber deutlich, wie Hashtags auch in weniger extremen Fällen Nachahmeffekte auslösen und dazu führen, dass Jugendliche ständig damit konfrontiert sind, wie der vermeintlich „perfekte“ Körper auszusehen habe.

Hashtags werden aber auch für Gegenbewegungen genutzt, bei denen die negative Wirkung von Schönheitsidealen thematisiert und um Akzeptanz aller Körperformen geworben wird. In unterschiedlichen Hashtag-Kampagnen zeigen Menschen ihren normalen Körper und ihre Makel, um sich gegen ungesunde Körperbilder und für ein selbstbewusstes Körpergefühl einzusetzen. Hashtag-Kampagnen wie diese werden in diesem Unterrichtsvorschlag zum Ausgangspunkt genommen, um mit den Schülerinnen und Schüler über die Möglichkeiten eines selbstbewussten Umgangs mit medial inszenierten Schönheitsidealen nachzudenken. Auf diese Weise kann die Selbstwahrnehmung und der eigene Umgang mit Schönheitsbildern in der Klasse thematisiert werden, ohne dabei allzu persönlich zu werden.

Die Schülerinnen und Schüler werden in Vierergruppen eingeteilt und beschäftigen sich jeweils mit einer Hashtag-Kampagne. Zur Auswahl stehen folgende Kampagnen:

  1. #fürmehrrealitätaufinstagram (Für ein gutes Körpergefühl: Frauen und Mädchen zeigen realistische Bilder von sich fernab von Schönheitsidealen)
  2. #609060 (Für Normalität und Vielfalt: Frauen und Mädchen posten normale Fotos von sich, kritisieren Model-Mode und diskutieren, was eigentlich „normal“ ist)
  3. #dadbods (Für Akzeptanz der eigenen Rundungen: Nutzer zeigen selbstbewusst mit Bildern, dass auch Männer und Jungen ein paar mehr Pfund auf den Hüften haben können)
  4. #projektgrenzenlos (Für Akzeptanz des eigenen Makels: Nutzer zeigen ihre Makel und ermutigen, zu akzeptieren, wer man ist und wie man aussieht).

In Rücksprache mit den Schülerinnen und Schülern sollte sichergestellt werden, dass nicht alle Gruppen dieselbe Hashtag-Kampagne bearbeiten. Die Arbeit kann auch in geschlechtergetrennten Gruppen durchgeführt werden. Die Schülerinnen und Schüler erhalten den Auftrag, das jeweilige Anliegen der gewählten Kampagne herauszuarbeiten und einzuschätzen, ob und inwiefern sie ihre Ziele erreicht.

In der Vorlage sind die Hashtag-Kampagnen beschrieben und Hinweise auf Beispielbilder in Instagram versammelt.

Die Erarbeitung kann über Platzdeckchen (Placemat) geschehen, die die Gruppenarbeit stärker im Prozess strukturieren und verhindern können, dass sich einzelne aus der Gruppe vorschnell durchsetzen (siehe Aufgabenblatt).

Die Ergebnisse der Gruppenarbeit können in einem moderierten Kreisgespräch vorgestellt werden. Am besten setzt man sich hierfür in einen Stuhlkreis, weil hier die Aufmerksamkeit besonders konzentriert werden kann auf das, was andere im Kreis sagen. Die Moderation sollte darauf achten, dass sie die Beiträge der Schülerinnen und Schüler immer wieder aufeinander bezieht und mit Nachfragen zu konkreteren Ausführungen anregt.

Zunächst werden die Ergebnisse auf den Platzdeckchen verglichen und diskutiert. Das Gespräch kann schließlich zu folgender Frage übergeleitet werden:

  • Wie können wir uns unabhängiger von medial inszenierten Schönheitsbildern machen?


Material:

 

Vorlage: „Hashtag-Kampagnen in sozialen Netzwerken (PDF)“
Aufgabenblatt: „Platzdeckchen: Hashtag-Kampagnen (DOC)“